
Es war der erste Abend eines schamanischen Gruppenwochenendes. Meine Lehrerin hatte alles vorbereitet. Einen Plan. Eine Struktur. Einen roten Faden für die Woche.
Dann begann die Begrüßungsrunde — und der Raum zeigte, was wirklich gebraucht wurde. Nicht das, was auf dem Papier stand. Etwas anderes. Etwas, das nur durch das Zusammentreffen genau dieser Menschen, genau in diesem Moment, sichtbar werden konnte.
Meine Lehrerin warf ihren Plan raus. Und das Wochenende wurde eines der wirksamsten, das ich je erlebt habe.
Seitdem weiß ich: Das wird möglich, wenn wir aufhören, unsere Wege alleine zu gehen!
Es gibt Dinge, die wir in der Stille mit uns selbst klären müssen. Die Einsamkeit hat ihren Platz — sie ist wichtig, manchmal heilig.
Aber Veränderung braucht Zeugen.
Nicht weil wir schwach sind. Sondern weil das, was wir alleine von uns denken, immer nur ein Ausschnitt ist. Andere Menschen spiegeln uns Seiten zurück, die wir im Spiegel nicht sehen. Sie halten Raum für das, was wir gerade noch nicht benennen können.
Das ist keine Frage von Komfort oder Unterstützung im klassischen Sinne.
Es ist eine spirituelle Notwendigkeit.
Besonders für queere und neurodivergente Menschen — die oft erlebt haben, dass Gemeinschaft nicht automatisch Sicherheit bedeutet — ist eine Gruppe, die wirklich trägt, kein Selbstverständliches. Sie ist etwas Besonderes. Etwas, das sich aufbaut, wenn der Raum gut gehalten wird.
Ich erlebe das immer wieder in meiner Arbeit: Gruppen haben eine eigene Intelligenz.
Sie zeigt sich nicht im Programm. Sie zeigt sich im ersten Atemzug, wenn Menschen ankommen. Im ersten Schweigen, bevor jemand zu sprechen beginnt. In dem, was ungefragt auf den Tisch kommt, noch bevor die erste Frage gestellt wurde.
Als Begleiterin lerne ich das immer wieder neu: vorbereitet kommen, aber nicht festgelegt. Den Plan kennen — und ihn loslassen können, wenn der Raum etwas anderes zeigt.
Das gilt für Leela-Runden genauso wie für Transformationskreise.
Im Leela-Spiel — dem vedischen Bewusstseinsspiel mit 72 Feldern — entfalten sich Themen in der Gruppe auf eine Art, die im Einzelsetting kaum vorkommt. Was eine Person würfelt, berührt die anderen. Felder, die jemand betritt, öffnen plötzlich Türen für alle im Raum. Die Gruppe denkt, fühlt und erkennt gemeinsam — und kommt dabei weiter, als jede und jeder alleine gekommen wäre.
Ich glaube daran: Zu jedem Termin finden sich genau die richtigen Menschen zusammen.
Das ist keine Romantik. Das ist Erfahrung.
Diese Überzeugung trägt meine gesamte Arbeit.
Transformationsbegleitung ist für mich keine Einzeltherapie im klassischen Sinne. Sie ist Beziehungsarbeit — zwischen Mensch und sich selbst, und zwischen Menschen untereinander. Auch im Einzelsetting entsteht ein Miteinander: zwischen dir und mir, zwischen deiner Geschichte und dem Raum, den wir gemeinsam halten.
Leela-Runden sind für mich der deutlichste Ausdruck von Gruppenintelligenz. Das Spiel lädt dazu ein, sich selbst zu begegnen — und gleichzeitig den anderen. Was eine Person bewegt, bewegt den Raum.
Die Kooperation mit Alisa Ritter in der schamanischen Begleitung für queere Menschen ist für mich ein gelebtes Beispiel: Zwei Perspektiven, eine Begleitung. Was entsteht, wenn zwei Menschen ihre Stärken zusammenbringen, ist mehr als die Summe der Teile.
Und in der Sterbebegleitung beim Bamberger Hospizverein erlebe ich vielleicht am deutlichsten, was Gemeinschaft wirklich bedeutet: Niemand geht alleine. Nicht wirklich. Das Sterben ist ein zutiefst gemeinschaftlicher Prozess — für die Sterbenden, für die Angehörigen, für alle, die begleiten.
Spirituelle Arbeit ist kein Konkurrenzmarkt.
Das klingt vielleicht selbstverständlich. Ist es aber nicht — in einer Welt, in der Selbstständige oft alleine kämpfen, eigene Nischen verteidigen und Preise vergleichen.
Ich glaube an etwas anderes.
Ich glaube, dass wir als Begleiter:innen, Heiler:innen, Trainer:innen und spirituelle Wegbegleiter:innen voneinander lernen, uns gegenseitig empfehlen und gemeinsam mehr bewegen können als alleine.
Das PWYC-Prinzip (Pay What You Can / Wertschätzungsprinzip), das meiner gesamten Arbeit zugrunde liegt, ist auch ein Ausdruck dieser Haltung: Wertschätzung statt Marktpreis. Vertrauen statt Absicherung. Beziehung statt Transaktion.
Wenn du selbst im spirituellen oder Begleitungsbereich arbeitest und dich angesprochen fühlst — melde dich. Vernetzung, Kooperation, gegenseitige Inspiration: das ist ausdrücklich willkommen.
Vielleicht bist du gerade in einem Veränderungsprozess und fragst dich, ob du das alleine schaffen musst.
Vielleicht suchst du einen Raum, in dem du du selbst sein kannst — auch und gerade mit den Teilen, die woanders keinen Platz haben.
Oder du bist neugierig auf Leela und fragst dich, wie das Spiel wirkt.
Dann lade ich dich ein: Komm vorbei. Virtuell oder in Bamberg. Schreib mir, was dich bewegt. Oder frag einfach, was dich interessiert.
Die richtigen Menschen finden sich zusammen.
Das glaube ich nicht nur. Das erlebe ich.
Hast du selbst erlebt, wie eine Gruppe etwas in dir in Bewegung gebracht hat, das du alleine nicht hättest lösen können? Ich freue mich auf deine Geschichte — in den Kommentaren oder per Nachricht.
Manchmal steckt man mittendrin – in einem Übergang, einer Frage, einem Umbruch, dem man noch keinen Namen geben kann.
Mein Newsletter „Am Lagerfeuer" ist ein Ort für genau diese Momente. Ich schreibe dir – über spirituelle Begleitung, über das Spiel mit dem Leben, über Schwellen und was es braucht, sie zu durchqueren. Und immer auch ein bisschen über das, was mich selbst gerade bewegt.
Kein Hochglanz. Kein Lehrplan. Nur ein ehrlicher Brief vom Feuer.
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