
Ich liebe diese Jahreszeit. Wirklich. Während um mich herum die vorweihnachtliche Hektik tobt, spüre ich in mir ein tiefes Bedürfnis nach Rückzug. Nach Stille. Nach Innenschau.
Gleichzeitig merke ich jedes Jahr aufs Neue: Die Adventskalender starten mir viel zu früh. Kaum ist der erste Dezember da, soll ich schon in Weihnachtsstimmung sein – dabei brauche ich diese Zeit des Rückzugs erst noch. Diesen bewussten Abschluss mit dem vergangenen Jahr.
Genau deshalb habe ich für mich eine Aufteilung gefunden, die mir unglaublich viel Ruhe und Klarheit in diesen Prozess bringt: Ich trenne Sperrnächte und Raunächte bewusst voneinander.
Die Sperrnächte – auch Klöpfelnächte oder Freinächte genannt – liegen traditionell vor dem Beginn der Raunächte. Du kannst also von der Wintersonnenwende (oder auch Weihnachten) 12 Nächte rückwärts zählen. Ich starte dadurch mit der Nacht vom 8. auf den 9. Dezember. Für mich sind sie der ideale Moment, um mit der Rückschau zu beginnen.
Während die Welt sich auf Weihnachten vorbereitet, schaue ich nach innen: Was war in diesem Monat los? Womit will ich noch abschließen? Was darf ich loslassen, damit ich es nicht ins neue Jahr mitnehme?
Diese Zeit des bewussten Rückblicks gibt mir die Ruhe, die ich brauche. Ich bleibe erst einmal nach hinten gewandt, bevor ich mich dem Neuen zuwende. Das verhindert dieses energetische Durcheinander, das entsteht, wenn man gleichzeitig zurück- und nach vorne schaut.
Ab der Wintersonnenwende am 21. Dezember wechsle ich dann die Richtung. Die längste Nacht des Jahres markiert für mich den Wendepunkt – von hier an werden die Tage wieder länger, das Licht kehrt zurück.
Die Raunächte ab dem 22. Dezember nutze ich dann für den Blick nach vorne: Was will ich ins neue Jahr mitnehmen? Welche Impulse geben mir meine Träume? Wo will ich hin – nicht nur äußerlich, sondern innerlich?
Jede der zwölf (oder dreizehn, je nach Tradition) Nächte steht dabei für einen Monat des kommenden Jahres. Eine wunderschöne Möglichkeit, sich auf die Energien des neuen Jahres einzustimmen.
Natürlich verstehe ich, dass nicht jede Frau im Dezember die Ruhe hat, diese beiden Phasen getrennt zu durchleben. Wer beide Prozesse in den Raunächten kombinieren möchte, dem würde ich vorschlagen:
🌌 Morgens: Träume aufschreiben
🌄 Vormittag: Rückschau auf den passenden Monat
🌆 Nachmittag/Abend: Nach vorne schauen, Visionen entwickeln
Wichtig: Nicht alles auf einmal! Sonst wird es energetisch wahnsinnig turbulent. Gib dir Zeit für jeden Teil des Prozesses.
Letztes Jahr habe ich während der Raunächte jeden Tag ein Stück mit der Handspindel gesponnen. Diese meditative, wiederholende Tätigkeit hat mir geholfen, in einen tiefen inneren Zustand zu kommen. Meine Gedanken haben sich sortiert, Klarheit hat sich eingestellt – buchstäblich habe ich den Faden meines Lebens neu gesponnen.
Auch Imaginationsübungen oder klassische Meditationen sind wunderbare Begleiter für diese Zeit.
Bestimmte Musikstücke können diesen Prozess des Rückzugs und Abschlusses wunderbar unterstützen. Ich wähle bewusst Klänge, die mich in die Stille führen – keine fröhliche Weihnachtsmusik, sondern etwas, das den Charakter dieser dunklen, nach innen gerichteten Zeit betont.
Das Räuchern gehört für mich fest zu dieser Zeit. Wer es sich einfach machen möchte: Räucherkegel und Räuchermännchen sind typisch für die Weihnachtszeit und völlig ausreichend.
Wer tiefer einsteigen möchte, kann sich eine eigene Räuchermischung zusammenstellen. Hier eine Auswahl von Zutaten, die besonders gut für die Sperr- und Raunächte geeignet sind:
Für Intuition & Wahrnehmung:
- Beifuß – stärkt Intuition, Traumreisen und Hellsichtigkeit
- Angelikawurzel (Engelwurz) – verbindet mit dem höheren Selbst
- Lorbeer – fördert Visionen
- Sandelholz – unterstützt Innenschau
Für Klärung & Reinigung:
- Salbei – schafft Klarheit
- Lavendel – beruhigend und schützend
- Wacholder – vertreibt negative Energien, unterstützt Ahnenkontakt
- Weihrauch – reinigt und klärt
Für Transformation & Loslassen:
- Kalmuswurzel – gibt Mut vor Veränderungen
- Mastix – klärender Duft
Du kannst dir aus diesen Zutaten deine ganz persönliche Mischung zusammenstellen – vertraue dabei auf deine Intuition. Was riecht für dich stimmig? Was fühlt sich richtig an?
Und falls du auf anhieb nicht wüsstest, wo das nächste Fachgeschäft ist… du kannst auch mit (möglichst frischen) Küchenkräutern arbeiten. Mit Beifuß + Lorbeer + Salbei + Wacholder hast du schon eine kräftige Mischung.
Viele Menschen nutzen die Raunächte zum Orakeln – mit Runen oder Karten.
Mein wichtigster Tipp: Wähle ein Orakel, das sich gerade jetzt passend anfühlt. Nicht eins, das du immer nimmst, weil du es immer genommen hast. Du stehst jedes Jahr woanders, und dein Orakel darf das widerspiegeln.
Ich ziehe meine Orakelkarte oder Rune relativ früh am Tag, lese die Informationen dazu durch und nehme sie mit in den Tag. Dann achte ich auf die Impulse, die im Laufe des Tages dazu kommen – oft zeigt sich die eigentliche Botschaft erst im Alltag.
Persönlich bin ich kein Fan davon, am Ende eines Jahres meine Raunachts-Aufzeichnungen vom Anfang des Jahres durchzulesen. Für mich geht es nicht darum, die Zukunft vorherzusagen. Es geht darum, mit diesem Prozess bewusst gewisse Energien einzuladen, mich auf Themen einzustimmen und mir klar zu werden, was ich eigentlich will.
Zum Loslassen gibt es unzählige Rituale. Ich bin ein großer Fan vom Feuer, weil es Energie direkt transformiert und freisetzt:
- Zettel beschreiben und verbrennen – ich hatte schon witzige Momente, wo sich bestimmte Zettel nicht anzünden ließen, bis ich noch mal tiefer mit dem Thema gearbeitet hatte. Dann ging es plötzlich wie von selbst.
- In Räucherwerk sprechen – vor dem Anzünden dein Thema hineinsprechen und dann abbrennen lassen
- Auf eine Kerze sprechen – für alle, die nicht gerne schreiben oder mit Asche hantieren
Es gibt so viele Möglichkeiten – finde die, die sich für dich stimmig anfühlt.
Die Kombination: Das Ritual der 13 Wünsche
Ein besonders kraftvolles Loslassritual sind die 13 Wünsche: Du schreibst vor den Raunächten 13 Wünsche auf – fokussiert auf Endzustände und Gefühle, nicht auf das "Wie". Ab dem 22. Dezember ziehst du täglich einen Wunsch, übergibst ihn ungelesen dem Universum (durch Verbrennen, Vergraben oder ins Wasser werfen) und lässt los. Der 13. Wunsch, der übrig bleibt, ist DEIN Wunsch – der, um den du dich aktiv kümmern darfst.
Du wirst in diesem Artikel bewusst keine Liste mit Impulsen für die einzelnen Tage finden. Ich könnte dir eine geben – aber ich würde sie nur irgendwo anders abschreiben.
Stattdessen lade ich dich ein: Orakle. Lass dich von deiner Intuition führen. Die Impulse, die von innen kommen – aus deinen Träumen, aus deinem Orakel, aus deiner Stille – sind so viel kraftvoller als jede vorgefertigte Liste.
Dieser Artikel ist bewusst sehr persönlich. Es ist mein Weg durch die dunklen Nächte, nicht der Weg.
Manche Menschen führen aufwendige Rituale durch, andere sitzen einfach still da und hören in sich hinein. Manche schreiben Tagebuch, andere träumen bewusst. Manche räuchern und orakeln, andere gehen in die Natur.
Das Wichtigste ist, dass du dir ein wenig Zeit nimmst. Dass du bewusst durch diese Tage gehst. Dass du dir erlaubst, innezuhalten in einer Welt, die ständig nach vorne rennt.
Die Sperr- und Raunächte sind Teil eines größeren Rhythmus – dem Jahreskreis. Wenn du dich auch im kommenden Jahr auf die einzelnen Energien der Jahreszeiten einstimmen möchtest, empfehle ich dir:
📖 Im Rhythmus des Jahreskreises: Feste und Fasten
Hier erfährst du mehr über die acht Jahreskreisfeste und ihre Bedeutung.
🌿 Zum jahreskreisspezifischem Fasten
Entdecke, wie du durch Fasten den Kontakt zu den Energien des Jahreskreises noch vertiefen und ganz in die natürlichen Rhythmen eintauchen kannst.
Wie gehst du durch die Zeit zwischen den Jahren? Hast du eigene Rituale? Ich freue mich über deinen Kommentar!
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